Rede von Schulamtsleiterin Frau Dr. Sylvia Anderson zum 20jährigen Montessori-Jubiläum der Stephansschule:

Sehr geehrter Herr BM Boldt,sehr geehrter Herr Kniffel,sehr geehrter Herr Hipp, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Ehrengäste,

"Die besten Methoden sind diejenigen, die beim Schüler ein Maximum an Interesse hervorrufen, die ihm die Möglichkeit geben, allein zu arbeiten, selbst seine Erfahrungen zu machen, und die es erlauben, die Studien mit dem praktischen Leben abzuwechseln."

Dieses Zitat ist nicht - wie man vermuten möchte - ein Auszug aus dem neuen Bildungsplan. Es ist vielmehr 104 Jahre alt und stammt von Maria Montessori. Die von ihr im Jahre 1906 eingeführte Bildungs-Methodik beruht im Gegensatz  zur geschlossenen Methode auf offenem Unterricht mit dem Ziel der Erziehung zur Selbständigkeit und Eigenverantwortlichkeit.

Nach Montessori soll die Beobachtung des Kindes den Lehrenden dazu führen, die passenden didaktischen Techniken anzuwenden, um den Lernprozess maximal zu fördern. Mit Nachdruck setzt auch der aktuelle Bildungsplan auf kompetenzorientierte Diagnostik und differenzierte Förderung.

Als überzeugte Reformpädagogin warb auch Maria Montessori für das Lernen in altersgemischten Gruppen und propagierte es als kindgerecht, umfassend und besonders effektiv. Das jüngere Schulkind lernt durch das Vorbild des älteren; das ältere Kind übernimmt Verantwortung für das jüngere. Mit dem Konzept der flexiblen Schuleingangsstufe empfiehlt auch das Land Baden-Württemberg das altersgemischte Unterrichten.

Aus dieser Perspektive ist die Stephansschule im Vergleich zu vielen anderen Schulen um Jahre ihrer Zeit voraus. Sie hat es vollbracht, als staatliche Schule das dem Bildungsplan zugrunde liegende pädagogische Konzept mit den Prinzipien der Montessori-Pädagogik kompatibel umzusetzen.

Dieses offene, konstruktive Denken und Handeln, nicht in alternativer, sondern in kooperativer Form außergewöhnliche Methoden anzuwenden, ist wohl das größte Verdienst der Stephansschule. Ohne ein Höchstmaß an intrinsischer Motivation ist die hier erforderliche innovative und kreative curriculare Zusatzarbeit nicht zu leisten.

Mein ganz besonderer Dank richtet sich deshalb an den Schulleiter, Herrn Hipp, sowie die ihn begleitenden Kolleginnen und Kollegen. Sie alle haben über die Jahre hinweg mit Bravour demonstriert, welch außergewöhnlicher Qualitätsstandard erreicht werden kann, wenn man sich - von der gemeinsamen Sache überzeugt - in die gleiche Richtung bewegt.

Mein weiterer Dank gilt der Stadt Konstanz, die über Jahrzehnte hinweg diese Schule den Erfordernissen der jeweiligen Bildungspolitik entsprechend ausgestattet und erhalten hat und dies mit Sicherheit auch so weiterführt.

Danken möchte ich ebenso den Eltern, dem Fördervereion sowie allen am Schulleben Beteiligten für ihr fortwährendes außergewöhnliches Engagement.

Als Leiterin des Staatlichen Schulamtes Konstanz gratuliere ich, auch im Namen meiner Kollegen, ganz herzlich zu diesem besonderen 2ojährigen Jubiläum der Stephansschule.